David Lynch ist schon seit zwei Jahren dabei, einen neuen Film zu drehen, lese ich gerade; zu Cannes nächstes Jahr soll er fertig sein. (Wann ist das eigentlich genau, immer?). Es ist doch immer wieder schön, wenn etwas passiert, ohne dass man darauf gewartet hätte. Denn ob man darauf wartet oder nicht: die Dinge passieren sowieso. Das ist das Dumme am Fan-Sein: das devote Warten hilft einem überhaupt nichts, das nächste Großereignis kommt für alle zur gleichen Zeit. Aber manche sehnen ja auch gerne, ich erinnere mich nur an den Mann mit viel Zeit, der ein halbes Jahr lang vor einem Kino irgendwo in den USA kampiert hat, um den neuen Star Wars-Film nicht zu verpassen.

Na ja. Also der Film soll jedenfalls Inland Empire heißen, es soll kein Skript geben/gegeben haben, und berühmte Schauspieler wie Laura Dern, Justin Theroux, Harry Dean Stanton und Jeremy Irons sollen mitspielen. Mehr Info gibt es unter www.lynchnet.com. Ich habe auch, da ich gerade in der David-Lynch-Phase schmore, entdeckt, dass es eine ganze Seite nur zu Mulholland Drive gibt, auf der man eine 67-seitige Analyse des Films (eng bedruckt) herunterladen kann. Ist es nun ein bisschen krank, sich so in einen Film hineinzusteigern und jeden Lampenschirm einzeln zu analysieren? Könnte man ja denken, andererseits gibt es auch Legionen an Professoren, die ihr Leben damit verbringen, herauszufinden, wo Proust in der Recherche Baudelaire zitiert hat, oder dass die Petites Madeleines ja die Initialen von Proust Marcel spiegeln. Dafür wird man hoch verehrt und nicht scheel angesehen, und ob Lynch ein viel schlechterer Künstler als Proust ist, steht dahin. Na gut, natürlich ist er kein Gigant wie Proust, aber, wie es so schön heisst: der Unterschied ist ein gradueller, kein prinzipieller. Ich fahre jetzt schon mal nach Cannes, brauch einen guten Platz für die Premiere.

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