Gestern war ich Zeuge oder besser gesagt Opfer eines metaphysischen Zufalls: Carolin und ich waren bei einer
Lyriklesung (alles auf englisch), und bevor es anfing, hatte Carolin ein Déjà-Vu-Erlebnis. Ich fragte: Déjà-Vu von gerade jetzt?, was sie empörte, denn ihrer Meinung nach könnte man nur von gerade Erlebtem ein Déjà-Vu haben. Aber ich sagte ihr, dass ich durchaus auch schon einmal mich beim Erinnern an schon vergangene Situationen so ein Erlebnis hatte (was stimmt, auch wenn es zugegebenermaßen selten vorgekommen ist). Das war also gewissermaßen ein D-V hoch 2, ein Ultra-D-V.
In einem der Gedichte ging es dann wieder um das Déjà-Vu, was ja zugegebenermaßen ein faszinierendes Phänomen ist und selbst eine metaphysische Note hat, auch wenn es wohl ganz langweilig mit irgendwelchen Rückkopplungen im Gehirn zu erklären ist, also eine Art mentales Feedback, wenn man so will. Doch damit nicht genug, es tauchte auch eine Zeile auf, die ungefähr so ging:
"That his most fascinating experience was to have a déja vu of past events".
Das ist schon verblüffend, oder? dabei schwöre ich, dass ich über Meta-Deja-Vus in meinem bisherigen Leben noch nie nachgedacht hatte, und dann gleich zwei Mal an einem Tag! Da fragt man sich ja doch, ob es nicht eine höhere Macht gibt. Und ob sie nichts besseres zu tun hat, als einen zu verarschen.
Es las übrigens auch ein kalifornischer Dichter, der heute Gastro-Kritiker für die Prague Post ist - ein Gedicht von ihm wurde einmal vom Tansanischen (?) Präsidenten in einer Rede vor der WORLD BANK CONFERENCE ON SCALING UP POVERTY REDUCTION (also wohl Reduzierung der Armut, insgesamt betrachtet) zitiert. Der Dichter erzählte, er habe dies beim Googeln seines eigenen Namens (wer tut das nicht gern hin und wieder?) herausgefunden - die Rede befindet sich auf
dieser tansanischen (?) Webseite, die nun sicher bald unter dem internationalen Ansturm zusammenbrechen wird - und dem tansanischen Präsidenten gedankt, jedoch darauf hingewiesen, es ginge in dem Gedicht keineswegs um Poverty Reduction. Der Präsident habe geantwortet, das sei ihm bewusst, er habe das Gedicht aber einfach mal so zitieren wollen.
Der Dichter erzählte auch, er habe seinen Gedichtband "Tsunami" am 12.12.2004, also 2 Tage vor dem Tsunami, herausgebracht. Alles sehr merkwürdig.