veröffentlicht am 6.1.06 von Jim Grund.

Heute beginne ich, meinen Kritisier-Vorsatz in die Tat umzusetzen. Weil das Jahr aber noch so jung ist, schummle ich ein bisschen und stelle ein Weihnachtsgeschenk vor :"Fires in Distant Buildings" von Gravenhurst. Die CD ist auf Warp erschienen, das ist ein ziemlich berühmtes Label, das eigentlich nur Elektronik herausbringt. Gravenhurst macht aber gar kein Electronic (Elektronik ist ja mehr das, was zum Vorschein kommt, wenn man seinen Fernseher aus dem Fenster wirft), sondern "feinsten" (Original Musikkritik-Wort, ich muss noch den krediblen Jargon lernen) Shoegazer-Folk o.s.ä. Soll heißen, dass schöne Gitarren-Klangteppiche à la Mogwai oder My Bloody Valentine umherwabern, mal lauter, mal leiser, und dazu ein schüchterner junger Mann namens Nick Talbot glockenhell und melancholisch singt. Melancholisch und düster ist überhaupt die gesamte Stimmung des Albums: "Gravenhurst", das klingt ja auch schon so nach einer verregneten englischen Grafschaft, in der es nur schales Bier und Erbsenmus gibt... Reizvoll ist der Kontrast zwischen düsterer Soundlage und hoher Stimme, nur leider kommt die Stimme etwas zu wenig zum Einsatz für meinen Geschmack. Dabei ist sie das eigentliche Plus der Musik, alles andere hat man schon einmal so oder ähnlich gehört. Überhaupt hat das Album großartige Stellen, man merkt aber doch einen gewissen Mangel an Songideen und wirklicher Substanz - es spricht für sich, dass bei (zugegebenermaßen recht langen) 8 Tracks eins nur eine instrumentale Reprise ist. Aber zu sehr will ich nicht meckern: ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass das Album bei den nächsten Hördurchgängen noch gewinnt.
Übrigens sind Verpackung, Aufmachung und auch der Titel des Albums perfekt auf die Stimmung der Musik abgestimmt, so dass man sehr viel verpassen würde, wenn man nur die Musik hätte (so etas soll heutzutage vorkommen). Dafür ein Extra-Bravo.
Hier gibt es ein gratis-MP3 von der Vorgänger-EP.
Wertung: drei kleine Sternchen von fünf.