Vielleicht ist jemand schon einmal in einem fremden Badezimmer aufgewacht und hat sich gefragt, warum die Luft so schlecht ist, um später zu merken, dass der Grund das bei jedem Einatmen mit hochgezogene eigene Erbrochene ist, das sich übrigens später aus dem Naseninnenraum nur unter Mühen wieder entfernen läßt. Wer diese oder ähnliche Erfahrungen zu den eigenen zählt, hält sie vermutlich für einen Tiefpunkt im Leben (außer, die Erfahrungen haben sich seitdem ständig wiederholt). Was ein Tiefpunkt im Leben ist, weiß man aber erst, wenn man sich in einem Frauenfitnesstudio angemeldet hat. Ich war neugierig, alle anderen hatten es auch schon getan und da habe ich es eben einmal ausprobiert. Irgendwann merkt man, dass man ziemlich tief drinsteckt und sich mit Leuten abgibt, die man früher zum Abschaum zählte.
Zur Frage, warum es überhaupt Frauenfitnessstudios gibt, werden zwei verschiedene Ansätze vertreten: Der eine lautet, dass die attraktiven Frauen nicht belästigt, der andere, dass die häßlichen nicht beobachtet werden wollen. Leider scheint Variante b) in meinem Studio die deutlich überwiegendere Motivation gewesen zu sein. Der Unterschied zwischen einem normalen Club und einem Frauenfitnessstudio besteht zunächst darin, dass es bei den Nichtmännern viel mehr Geräte für den Unterkörper gibt als für den Oberkörper, und dass Trainerinnen einem nicht glauben, wenn man bekundet, man wolle nicht abnehmen, sondern nur mehr Trizeps. Der andere Unterschied ist, dass Frauen zueinander offensichtlich grundsätzlich unhöflich sind. In der Sauna grüßt man sich nicht, und anstatt nachzufragen, ob das Gerät bald frei wird, starrt man sich nur feindselig an.
Über einigen Geräten hängen Fernseher, auf denen in völliger Verkennung der Bedürfnisse vierzigjähriger verfetteter Zicken ausschließlich VIVA läuft. Da Managementstrategie und Kundenwunsch nicht vollends zueinander fanden, ist der Platz auf dem Gerät vor dem VIVA-Fernseher oft frei. Gern sehe ich den SMS-Nachrichten zu, die unten eingeblendet werden, und die entweder persönlicher (“Melanie aus Gütersloh, ich liebe Dich! Jojo”) oder feuilletonistischer Natur sind (“Tokio Hotel, ihr seid die Besten! Nadine”). Neulich aber lief ein Video von Madonna. Was für ein Trizeps! Sicherlich keiner aus dem Frauenfitnessstudio.
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