Auf Slate.com gibt es einen Artikel, laut dem man bei
Starbucks (zumindest) ein Getränk bekommen kann, das gar nicht auf der Karte steht, nämlich einen sog. "short cappuccino". Was - immer noch lt. Slate - ein kleinerer Cappucino ist als der kleinste auf der Karte verzeichnete, aber genauso viel Kaffee enthält. Kleiner und stärker also, also besser, und dazu noch billiger. Ich bin ewig nicht mehr bei Starbucks gewesen, aber es wäre vielleicht mal einen Versuch wert, ob das in Deutschland auch so ist. Eigentlich müsste es so sein, denn die Filialen sind meines Wissens weltweit durchorganisiert, und die Bezeichnungen sind eh alle in Englisch, auch hier.
Jedenfalls wirft das natürlich die Frage auf, die auch in dem Artikel diskutiert wird: warum versteckt Starbucks seine besten Produkte? Die einleuchtende Antwort: Riesenkaffees kosten kaum mehr in der Herstellung, man kann sie aber unverhältnismäßig viel teurer verkaufen. Mit italienischen Espressopfützen würde Starbucks vermutlich nicht ihre Weltdominanz erreichen. Deshalb wird es dort zweifellos weiter den Milchkaffee im Halblitereimer für 8 Euro* geben.
Eine andere interessante Frage ist, warum Starbucks überhaupt erfolgreich ist. Als die sich in den USA ausbreiteten, konnte man ja noch sagen, die Amis kennen nur gefärbtes Wasser als Kaffee und sind daher leicht für irgendwas zu begeistern, das einigermaßen schmeckt. Aber jetzt sind die ja hier auch einigermaßen etabliert, obwohl es nun wahrlich billigere und bessere Alternativen gibt. Ich glaube, das liegt daran, dass Starbucks zwar anonym ist, aber trotzdem einiges an cosyness bietet mit den Ohrensesseln, den warmen Farben, der angenehmen Musik. Man hat nicht die Schwellenangst, in einen richtigen, kuschligen Kaffeeladen zu gehen, aber einen schönen pseudo-Abglanz der Atmosphäre**, schließlich heißen die Kaffeemacher auch Baristas, was verwegen klingt, also ist man gar kein Massenkonsument, wenn man da kauft, sondern "in the know" und in der großen, wenn auch anonymen Familie Starbucks aufgehoben.
Wenn das stimmt, könnte man das Pseudo-Intimitäts-Konzept nicht noch auf weitere Felder ausweiten? Ein wenig passiert das ja schon, viele Mega-Buchläden haben ja Leseecken mit großen Sesseln eingerichtet. Bei Plattenläden würde sich das ja auch anbieten - keine arroganten Nerds an der Theke, die alle Smiths-Singles zuhause im Schrank haben und die einen strafend anschauen, wenn man nicht weiss, wer Architecture in Helsinki*** sind, dafür aber Platz zum Stöbern, CD-Player zum Selbstbedienen****, die so angebracht sind, dass man die Musik nicht im Stehen anhören muss. Das wäre sicher ein Bombenerfolg, dann könnte man dort zB auch nur noch dreifach-CDs für 80 Euro verkaufen und die Singles unter dem Ladentisch verstecken.
---
*: das ist geraten. Jetzt interessiert es mich aber wirklich, was ein Riesen-Cappuccino bei Starbucks kostet.
**: Das Argument stammt aus "A Long Way Down" von Nick Hornby.
***: Momeeeeent! Ich
weiss das natürlich.
****: CD-Player zum Selbstbedienen gibt es nach meiner Beobachtung in größeren Ketten nur noch in der Klassik-Abteilung. Ob man wohl einzig den Klassikhörern die schwierige Aufgabe des CD-Einlegens zutraut? (Oder die noch schwierigere des Nicht-CD-klauens-und-leere-Hülle-zurückstellens?).