
Ich habe mir die erste Ausgabe der Zeitschrift
FELD Hommes ("für Männer und andere Menschen") gekauft, denn sie besticht nicht nur durch den ulkigen Namen und ein gelungenes <- Titelbild, sondern auch und vor allem durch das Versprechen, ein Männermagazin mit Anspruch zu sein. Oder zumindest sein zu wollen.
Das klingt einem glamourinteressierten, intellektuellen Metrosexuellen wie mir natürlich wie Musik in den Ohren. Und die Herausgeber haben recht, wenn sie schreiben, dass es das bisher nicht gab. Die
GQ ist, glaube ich, noch das anspruchsvollste "Männermagazin", was bedeutet, dass zwischen dem klassischen Dreiklang Autos/Titten/Muskeln hin und wieder ein angesagter Popliterat o.ä. für etwas Flair sorgen darf. Und selbst das scheint in den letzten Ausgaben zurückgegangen zu sein; verkaufte sich wohl nicht.
FELD Hommes ist jedenfalls leider nicht mehr als ein netter, aber gemessen am Anspruch enttäuschender Versuch. Ich weiss nicht, wer auf die Idee gekommen ist, das erste Heft unter das Thema "Dreck" zu stellen, aber besonders gelungen ist das nicht. Gut, man kann dreckverschmierte Models präsentieren, man kann eine Reportage à la
brand eins über Kärcher machen, aber allzu viel Anregendes gibt es dazu (offenbar) nicht zu sagen. Der abgedruckte Aufsatz von Christian Enzensberger (verwandt mit dem "großen" Enzensberger) ist schön und enthält den prima Satz, den ich für den Titel dieses Postings geklaut habe, steht aber im Heft rum wie Rita Süßmuth beim Schlammcatchen (as it were). Keine gute Idee ist es auch, Artikel ("für den Kopf") und Fotostrecken ("für das Auge") streng zu trennen. Da kommt kein "Flow" auf, wie wir Zeitschriftenkritiker sagen.
So wirkt das ganze zusammengeschustert: ein bisschen
GQ, ein bisschen
neon, recht viel
brand eins, und dann auch noch (haben die das nötig? jetzt schon?) eine Fotostrecke mit Luxus-Geländewagen inkl. aus dem Katalog abgepinselter Quasi-Werbetexte. Für mich alten Ortho-Fascho sind aber am schlimmsten die Berge an Tipp- und Rechtschreibfehlern, die einem den Eindruck vermitteln, man hätte eine Generalprobe in der Hand.
Immerhin: das Heft ist groß und schwer und glänzend, und das Titelbild ist wirklich sehr gelungen, so dass man es wunderbar dekorativ herumliegen lassen kann. So gesehen sind 5 € gar nicht mal so teuer: dieses Papier hält bestimmt noch eine Weile.
Die nächste Ausgabe widmet sich dem Thema "Leder" und erscheint am 2.3.2006.
Hmmmmmmmm.... Leder.... warum nicht gleich so?