veröffentlicht am 15.3.06 von Jim Grund.
Ach ja, Placebo. Ich erinnere mich an die Hysterie, als "Without You I'm Nothing" herauskam (das erste Album war ja noch etwas obskur geblieben). Und völlig zu Recht: geiler Glamrock, schneidende Stimme, fiebrige Musik. Musik, die selbst hysterisch ist. Was für Songs: jeder Schuss ein Treffer. Das war überwältigend; vielleicht können sich die Youngsters unter meinen Lesern das so vorstellen wie die Franz Ferdinand-Welle.
Mir haben auch die späteren Alben sehr gut gefallen, obwohl sie nie mehr an dieses Meisterwerk herangekommen sind. Meds ist aber weitgehend eine Enttäuschung. Die meisten Kritiker scheinen das anders zu sehen: die beiden letzten Alben doof, Meds eine Rückkehr zu alter Klasse. Es wird behauptet, Placebo hätten mit Neuerungen wie Electro-Sounds (auf Sleeping With Ghosts) und Rap (auf Black Market Music) herumgespielt, Meds sei dagegen "endlich wieder geradlinig". Dabei ist das doch Quatsch: Alben, auf denen mit Unbewährtem herumexperimentiert wird, sind meist deshalb schlecht, weil die Bands das in der Regel tun, um Einfallslosigkeit zu überspielen (Ich sag nur Suede seit ca. 1999). Das war bei Placebo überhaupt nicht der Fall: Electro passte zB sehr gut zu den Songs auf Sleeping With Ghosts. Placebo hatten ja sowieso immer eher das Problem, dass alles recht ähnlich klang. Also: warum nicht etwas neues ausprobieren?
Meds klingt tatsächlich wieder sehr nach Without You I'm Nothing, aber der Sound besagt nun mal leider gar nichts über die Qualität. Was fehlt, sind die Ideen, das merkt man nur allzu deutlich: die meisten Songs sind genau wie diese anderen Placebo-Songs, die nach 3 Sekunden als solche zu erkennen sind, an die man sich aber sonst nicht erinnert. Eine Ausnahme gibt es: die erste Single, "Song to Say Goodbye". Die ist großartig, genau wie das perfekt passende Video dazu. Das lässt dann ja doch ein wenig hoffen.
Wertung: 3 kleine Sterne von 5 kleinen Sternen.