Ajona


Letzte Woche wurde mir ein Weisheitszahn gezogen - war halb so schlimm, eigentlich gar nicht schlimm, aber das gab mir die Anlaß, einmal über das gerne unterschätzte Thema Zahnpflege nachzudenken. Deshalb will ich heute meine Zahnpasta preisen: es handelt sich um Ajona. Das Tubendesign hat sich seit ca. 1958 nicht mehr geändert und sieht daher heute so aus, als wäre es dem Hirn eines der trendigsten Mitte-Designer entsprungen: einheitlich dunkelrote Farbe, weiße Schrift, sonst gar nichts. Schön klein ist die Tube, denn es handelt sich um Konzentrat - nicht umsonst warnt der Tubenaufdruck: "Man verwende es sparsam! Eine linsengroße Menge genügt". Natürlich ist auch die Paste rein weiß; weit und breit keine Spur von bunten Streifen und ähnlichem modischem Tand. Was so gut ist, braucht natürlich auch keine Werbung, keine gequält lächelnden Zahnarztfrauen oder väterliche Dr. Bests; niemand weiss, wie Dr. Liebe aussieht, der Hersteller des vortrefflichen Zahncreme-Konzentrats. Ich nehme an, er steht täglich in seinem blütenweißen Arztkittel in der Fabrik am Band, an der die zierlichen Ajona-Tuben vorbeidefilieren, und hin und wieder nimmt er eine heraus und wiegt sie prüfend in der Hand. Nach getaner Arbeit entledigt er sich seines Kittels, zieht seine alte Strickjacke an und geht die paar Schritte herüber zu seinem Häuschen, wo seine Ehefrau Ajona, Namensgeberin der Zahncreme in diesem denkwürdigen Jahr 1953, mit dem Abendbrot auf ihn wartet.

PS: etwas enttäuschend ist, dass die Firma Dr. Liebe eine Webseite unterhält. Nicht klicken! Da sind viel zu viele Informationen.

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