Dialog der Gästelisten


Adam Green in Berlin habe ich verpaßt, weil ich in London war, kann dafür aber das Konzert von „Dialog“ besprechen. Dialog life near Covent Garden sozusagen. Weil es sich um Freunde des wundervollen Colin handelte, ging ich hin. Der Club, in dem aufgetreten wurde, heißt “Bünker”. Eigentlich soll der Name wohl “Bunker” bedeuten, was natürlich schon ein irre deutsches Wort ist, aber mit einem Umlaut funktioniert es natürlich noch besser. Das Importieren des Worten von kindergarten hat man total versaut, man hätte den Plural nehmen sollen!

Angesichts derartiger Nativegermanspeakerverehrung war die Freude natürlich groß, Zuhörer aus der Bundeshauptstadt zu bekommen. Beim Türsteher löste die Vorstellung, einen Berliner kontrollieren zu dürfen, lähmende Verzückung aus. Der wundervolle Colin hatte aber wohl auch dafür gesorgt, dass my name on the list war.

Die Band scheint streng egalitär aufgebaut. Wie bei den Grünen darf jeder mal jedes Amt übernehmen: Leadsänger, zweite Gitarre, Tamburin, Hintergrundgesumme, wieder Leadsänger. Das ist leider Teil den Problems, denn somit fehlt eine klare Linie. Es ist ja die Zuordnung, die besonders erfolgreiche Bands so besonders erfolgreich macht: Man braucht einen fürs Charisma, einen für die Rebellion, einen Unterschuldshübschen und einen Schweigsamen. Wobei man notfalls auch nur drei Jungs nehmen kann, dann darf der Charismatische mal den Rebellischen mitmachen. „Dialog“ wirkt hingegen auf rührende Art ungecastet. Man ist sich nie sicher, wer eigentlich zur Band gehört und wer nicht und wer jetzt welche Rolle spielen soll.

In der Pause war die Zeit gekommen, backstage zu gehen. Wie so oft bei Auftritten von Bands, die bisher nur über einen bescheidenen Zuhörerkreis verfügen, bedeutet backstage allerdings eher neben als hinter der Bühne. Dort befanden sich, wie es überall auf der Welt backstage der Fall ist, Bier, Glasscherben, einige abartig hübsche Mädchen und eine Tüte mit Kabelhaltern. Der Hauptunterschied zur heimischen Veranstaltung ist die Zeit: In London beginnt alles so wahnwitzig früh. Wir waren um zwanzig Uhr im Konzert, um zweiundzwanzig Uhr konnte niemand mehr einen gerade Linie entlanglaufen und schon vor Mitternacht ging jeder nach Hause. Zu Zeiten, zu denen ein Mitglied einer Berliner Band also gerade überlegen würde, ob Zähne geputzt werden sollten und wenn ja, bei wem man am Vorabend die Zahnbürste liegengelassen hat, steht das Mitglied einer Londoner Band schon fertig gestylt beim Soundcheck.

Wir tranken ein leicht nach Kirschsaft schmeckendes Bier namens “Freedom”, denn das “Bünker” hat eine eigene Brauerei. Bier wird auf der Karte nicht bear, sondern Bier geschrieben, was nachvollziehbar ist. Die Toiletten sind hingegen etwas verwirrend beschriftet, da man offenbar davon ausging, die deutsche Anrede Herr sei mit dem weibliche Pronomen her verwandt. Aber wer aus Berlin kommt, ist transsexuelle Waschräume ja ohnehin gewöhnt.

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