Ist ja ein Klischee, dass auf kompliziertem Weg erforscht wird, was schon alle wissen. Dafür sollte es mal einen Wisschenschaftspreis geben, für den kompliziertesten Beweis einer geläufigen Tatsache.
Heute: Schüchterne sind sensibel, nach
dieser Studie hier, die mit einem Dutzend extrem schüchterner und einem Dutzend extrem extrovertierter Kinder durchgeführt wurde (muß lustig gewesen sein).
Zufälligerweise habe ich gestern noch einen
Artikel gelesen, der auch von Schüchternheit handelt: nämlich von einem Selbstversuch mit einem in den USA offenbar sehr erfolgreichen Medikament namens Paxil. Was der "Proband" herausbekommen hat, ist sehr interessant: er wurde tatsächlich von einem Party-Eckensteher zu einem, der gern Dönerkes erzählt, aber nur, wenn er vorher Alkohol getrunken hatte. Außerdem verlor er aber jegliches Interesse an seiner kreativen Arbeit als Journalist sowie an guten Büchern etc, empfand Gefühle nicht mehr so stark wie zuvor und dachte ernsthaft darüber nach, sich einen festen Job zu suchen, um mehr Sicherheit zu bekommen. Man könnte auch etwas boshaft sagen, dass er von einem interessanten Menschen zu einem Normalo wurde (über erhöhtes Interesse an Sport hat er immerhin nicht berichtet). Wobei ich damit nicht sagen will, daß Schüchternheit irgendwie "besser" ist als "Normal"-sein, im Gegenteil,
shyness can stop you from doing all the things in life you'd like to. Aber das mit dem Alkohol ist schon interessant. Kann es sein, daß viele Menschen deshalb so viel trinken, weil diese Entspannungswirkung bei ihnen viel stärker ist als bei anderen?
Paxil ist übrigens ziemlich in Verruf geraten, vor allem,
weil angeblich unter dessen Einfluß ein paar Menschen Selbstmord begangen haben. Es ist ja ohnehin erstaunlich, daß so eine Droge, die einem die ganze Persönlichkeit auf den Kopf stellt, einfach so - und wohl auch ziemlich oft - verschrieben wird oder zumindest wurde.