Hotel


Hotel heißt der Film, nein, nicht Hostel. Aber auch Hotel will, wie Hostel, ein Horrorfilm sein, wenn auch ein sehr viel diskreterer. Es ist ein österreichischer Film von einer jungen und talentierten Regisseurin namens Jessica Hausner, der versucht, Autorenkino und Genrefilm – eben Horror/Thriller – zusammenzubringen. Der Film hat sehr gute und sehr schlechte Kritiken bekommen, und das ist ja meist ein gutes Zeichen, d.h. es bürgt ja oft dafür, dass der Film wenn schon nicht gut, dann wenigstens interessant ist. Dieser hier allerdings ist tatsächlich gleichzeitig sehr gut und sehr schlecht.

Die Story ist wenig kompliziert und geht in etwa so: Eine junge Frau tritt eine Anstellung als Rezeptionistin an in einem Hotel, das mitten in einem finsteren Wald liegt. Ihre Vorgängerin ist auf mysteriöse Weise verschwunden, d.h. die anderen Hotelangestellten wollen nicht so recht mit der Sprache heraus, was ihr wohl widerfahren sein mag. Überhaupt sind sie nicht besonders kooperativ, diese Kollegen... In der Nähe befindet sich eine Höhle, und die Sage geht, dass eine Hexe dorthin in grauer Vorzeit junge Mädchen verschleppt hat. Es ist heute ein sog. beliebtes Ausflugsziel. Dann aber geschehen der jungen Frau (ein blöder Ausdruck, aber hier scheint er zu passen) merkwürde Dinge: Türen schließen sich wie von Geisterhand. Ihre Brille wird zerbrochen, und sie stellt fest, dass ihr die Brille der toten Vorgängerin perfekt passt. Im Wald, bei der Höhle, hat sie (vielleicht) eine erschreckende Begegnung. Dann geschieht (vielleicht) etwas, und der Film ist nach nicht einmal 80 Minuten vorüber.

Die Regisseurin versteht wahrlich ihr Handwerk. Auf der einen Seite ist das Hotel so perfekt nachgebildet, dass man praktisch die Luft in diesem leicht abgewetzten, gutbürgerlichen obere-Mittelklasse-Etablissement zu riechen meint; da stimmt einfach alles vom kleinsten Ausstattungsdetail bis zur Ausdrucksweise, angefangen von der spöttelnden Chefin bis zu den routiniert boshaften Angestellten. Und das ist noch nicht alles: sie schafft es, darin eine Farbsymbolik aus Rot und Grün zu integrieren und eine Bildsprache aus Licht und Schatten, aus Vertikalität, wo sich die hohen Bäume des Waldes in den strengen Falten der Hotelvorhänge wiederfinden, ohne daß dabei der fast dokumentarische Eindruck verlorenginge. Das ist schon sehenswert.

Nur fehlt dem Film etwas für Horrorfilme ganz Entscheidendes, nämlich der Horror. Schockeffekte und spritzendes Blut gibt es hier nicht, aber das ist ja auch gar nicht unbedingt nötig. Leider gibt es aber auch keine subtile Dramatik, keinen Spannungsaufbau, keine Atmosphäre der Bedrohung. Was umso erstaunlicher ist, da die realistischen Bilder einen durchaus in die Handlung hineinziehen. Viele Kritiken haben das moniert, und ich habe gedacht, die wollen eben ein „Hostel“ und verstehen nicht das Subtile. Aber es stimmt wirklich: die „Horror“-Elemente fügen sich nicht zusammen; am Ende hat man das Gefühl, der Film weiß gar nicht, wo er mit all seiner Klasse eigentlich hin will. Vielleicht liegt das daran, dass es postmoderne Horrorfilme nicht geben kann? Namenloses Grauen gibt es nämlich nicht; die Bedrohung kommt immer irgendwoher, zumindest im Film. Wo es nichts aufzuklären gibt, gibt es auch keine Spannung; wenn alles bedrohlich ist, ist nichts bedrohlich.

Deshalb mein Rat: Sich den Namen Jessica Hausner merken und auf ihren nächsten Film warten.

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