veröffentlicht am 17.9.06 von Jim Grund.
Jonathan Safran Foer sammelt unbeschriftetes Papier von Schriftstellern, d.h. das Papier, das hätte von ihnen beschrieben werden sollen, aber nicht beschrieben wurde; vor allem z.B., weil die betreffenden Schriftsteller starben, bevor sie zu dem betreffenden Blatt kamen. Später fing er an, unbeschriebenes Papier von Kollegen einzufordern, auch für die Sammlung. Das erklärt er in einem schönen Artikel, der im Playboy erschienen und
hier nachzulesen ist.
Eine tolle Idee, oder? Papier, mit dem es das Schicksal nicht gut gemeint hat, das nur beinahe von Hand berühmter Schriftsteller unsterblich gemacht worden wäre. Aber immerhin ist es jetzt in der Sammlung von Jonathan Safran Foer unsterblich gemacht. (Obwohl es irgendwie geschummelt scheint, ein Blatt aus der normalen Schreibfolge rauszureißen (im wahrsten Sinne des Wortes), indem man es einverlangt, anstatt zu warten, bis es schicksalhaft unbeschrieben bleibt.)
(Das erinnert mich an eine Geschichte aus
La vie mode d'emploi von Georges Perec, das ich gerade lese: ein reicher Sammler wird mit sehr aufwendigen Tricks dazu geführt, zu glauben, dass ein einfacher Tonkrug der heilige Gral sei, und Millionen für seinen Kauf auszugeben. Es wird aber zur Geschichte bemerkt, man könne sich nicht sicher sein, ob der Sammler nicht das Ganze durchschaut und für das Schauspiel der Täuschung freiwillig gezahlt habe. Schließlich sei er jetzt im Besitz des Tonkrugs, der für eine der aufwendigsten Betrugsaktionen der Kriminalgeschichte verwendet wurde.)