David Mitchell ist ein junger britischer Autor, der in seiner Heimat schon recht bekannt ist. Für seine ersten zwei Romane, nämlich Ghostwritten (1999) und number9dream (2001) hat er mehrere Preise erhalten und war sogar mit letzterem in der Endauswahl für den Booker Prize. Bis jemand wie er vielleicht auch in Deutschland entdeckt wird, dauert es erfahrungsgemäß sicher noch ein paar Jahre bzw. Bücher, das ist bei Leuten wie A.L. Kennedy oder Ian McEwan ja auch nicht anders gewesen. Und number9dream ist (unter dem leider ziemlich nichtssagenden Titel Chaos) immerhin schon übersetzt. Cloud Atlas ist sein drittes Buch, es ist 2004 herausgekommen.Vielleicht ist jemand schon einmal in einem fremden Badezimmer aufgewacht und hat sich gefragt, warum die Luft so schlecht ist, um später zu merken, dass der Grund das bei jedem Einatmen mit hochgezogene eigene Erbrochene ist, das sich übrigens später aus dem Naseninnenraum nur unter Mühen wieder entfernen läßt. Wer diese oder ähnliche Erfahrungen zu den eigenen zählt, hält sie vermutlich für einen Tiefpunkt im Leben (außer, die Erfahrungen haben sich seitdem ständig wiederholt). Was ein Tiefpunkt im Leben ist, weiß man aber erst, wenn man sich in einem Frauenfitnesstudio angemeldet hat. Ich war neugierig, alle anderen hatten es auch schon getan und da habe ich es eben einmal ausprobiert. Irgendwann merkt man, dass man ziemlich tief drinsteckt und sich mit Leuten abgibt, die man früher zum Abschaum zählte.
Zur Frage, warum es überhaupt Frauenfitnessstudios gibt, werden zwei verschiedene Ansätze vertreten: Der eine lautet, dass die attraktiven Frauen nicht belästigt, der andere, dass die häßlichen nicht beobachtet werden wollen. Leider scheint Variante b) in meinem Studio die deutlich überwiegendere Motivation gewesen zu sein. Der Unterschied zwischen einem normalen Club und einem Frauenfitnessstudio besteht zunächst darin, dass es bei den Nichtmännern viel mehr Geräte für den Unterkörper gibt als für den Oberkörper, und dass Trainerinnen einem nicht glauben, wenn man bekundet, man wolle nicht abnehmen, sondern nur mehr Trizeps. Der andere Unterschied ist, dass Frauen zueinander offensichtlich grundsätzlich unhöflich sind. In der Sauna grüßt man sich nicht, und anstatt nachzufragen, ob das Gerät bald frei wird, starrt man sich nur feindselig an.
Über einigen Geräten hängen Fernseher, auf denen in völliger Verkennung der Bedürfnisse vierzigjähriger verfetteter Zicken ausschließlich VIVA läuft. Da Managementstrategie und Kundenwunsch nicht vollends zueinander fanden, ist der Platz auf dem Gerät vor dem VIVA-Fernseher oft frei. Gern sehe ich den SMS-Nachrichten zu, die unten eingeblendet werden, und die entweder persönlicher (“Melanie aus Gütersloh, ich liebe Dich! Jojo”) oder feuilletonistischer Natur sind (“Tokio Hotel, ihr seid die Besten! Nadine”). Neulich aber lief ein Video von Madonna. Was für ein Trizeps! Sicherlich keiner aus dem Frauenfitnessstudio.
n. the legal determination that secular symbols in a government-sponsored year-end seasonal display (such as a Nativity scene) can mark it as not endorsing a specific religion or religion in general.Oder, noch genauer:
In the past, the Supreme Court has subscribed to what lawyers call a “three plastic animals” rule for religious displays: If a crèche in a town square, for example, is surrounded by a wishing well and a laughing clown, it’s constitutional. The logic is that reasonable observers perceive unadorned religious displays to be endorsements of religion, while the addition of kitschy accoutrements turns the display into a celebration of Americana.Das wäre doch eine ausbaufähige Rechtsprechung. Wusste das BVerfG davon bei der Kruzifix-Entscheidung? Vielleicht könnten die bayerischen Schulen die Kruzifixe hängen lassen, wenn sie daneben ein paar röhrende Hirsche und Bergseen im Gegenlicht in barocken Goldrahmen hängen, so dass das Ensemble nach einer bloßen Zelebration von Bavariana aussieht?

Heute beginne ich, meinen Kritisier-Vorsatz in die Tat umzusetzen. Weil das Jahr aber noch so jung ist, schummle ich ein bisschen und stelle ein Weihnachtsgeschenk vor :"Fires in Distant Buildings" von Gravenhurst. Die CD ist auf Warp erschienen, das ist ein ziemlich berühmtes Label, das eigentlich nur Elektronik herausbringt. Gravenhurst macht aber gar kein Electronic (Elektronik ist ja mehr das, was zum Vorschein kommt, wenn man seinen Fernseher aus dem Fenster wirft), sondern "feinsten" (Original Musikkritik-Wort, ich muss noch den krediblen Jargon lernen) Shoegazer-Folk o.s.ä. Soll heißen, dass schöne Gitarren-Klangteppiche à la Mogwai oder My Bloody Valentine umherwabern, mal lauter, mal leiser, und dazu ein schüchterner junger Mann namens Nick Talbot glockenhell und melancholisch singt. Melancholisch und düster ist überhaupt die gesamte Stimmung des Albums: "Gravenhurst", das klingt ja auch schon so nach einer verregneten englischen Grafschaft, in der es nur schales Bier und Erbsenmus gibt... Reizvoll ist der Kontrast zwischen düsterer Soundlage und hoher Stimme, nur leider kommt die Stimme etwas zu wenig zum Einsatz für meinen Geschmack. Dabei ist sie das eigentliche Plus der Musik, alles andere hat man schon einmal so oder ähnlich gehört. Überhaupt hat das Album großartige Stellen, man merkt aber doch einen gewissen Mangel an Songideen und wirklicher Substanz - es spricht für sich, dass bei (zugegebenermaßen recht langen) 8 Tracks eins nur eine instrumentale Reprise ist. Aber zu sehr will ich nicht meckern: ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass das Album bei den nächsten Hördurchgängen noch gewinnt.