Gut geschlafen?


Über einige Umwege bin ich Internet auf einen Artikel über sog. polyphasischen Schlaf gestoßen: angeblich ist es möglich, nur 3 auf 24 Stunden zu schlafen, wenn man es schafft, sich auf einen Schlaf von einer halben Stunde alle vier Stunden umzustellen. Das bedeutet praktisch, dass man jeweils 3½ Stunden lang wach ist, dann eine halbe Stunde schläft, usw. - und zwar rund um die Uhr. Angeblich soll das nicht nur funktionieren, ohne dass man übermüdet, sondern man soll sich sogar fitter fühlen. Schwer vorstellbar, aber das wird damit erklärt, dass sich der Körper bei so kurzer Schlafdauer darauf umstellt, nur noch in den sog. REM-Schlaf zu fallen, also die Phase, in der man träumt, und den ganzen Rest – Tiefschlaf und was es da noch so alles gibt – wegläßt. Ob die Schlafmethode unnatürlich ist und vielleicht Langzeitschäden zur Folge hat, ist umstritten; die Befürworter behaupten jedenfalls, dass auch Säuglinge so schlafen würden und das „normale“ Schlafen erst später lernen würden.

Es scheint aber sehr schwer zu sein, in diesen Rhythmus zu gelangen, denn erst einmal bekommt man natürlich erheblichen Schlafmangel, bevor dann nach 2 bis 3 Wochen die Umstellung hoffentlich greift. Ob es Leute gibt, die das über einen wirklich langen Zeitraum gemacht haben, weiß ich nicht. Steve Pavlina, amerikanischer Lebensverbesserungsguru, Veganer und Blogger, auf dessen Webseite ich auf dieses Phänomen gestoßen bin, hat diese Art zu Leben über 5 Monate lang durchgehalten, und aufgehört hat er nach eigenen Angaben nur, weil es für ihn zu schwierig wurde, sein Leben mit dem der „Normalschläfer“ abzugleichen. Es liegt ja auch auf der Hand, dass es ziemlich schwer ist, in einen normalen Tagesablauf einfach alle paar Stunden zu verschwinden und ein halbstündiges Nickerchen zu halten. Und nachts ist es langweilig, weil alle anderen Leute schlafen. Steve Pavlina berichtet, er hätte in diesen Nachtstunden in der Anfangszeit hauptsächlich Gemüse geschnippelt.

Ich finde das Ganze faszinierend, es ist dann eine ganz andere Lebensweise. Aber das gehört vielleicht doch eher zu den Dingen wie z.B. Bungee-Jumping, die ich besser nicht ausprobiere. Außerdem schlafe ich doch so gerne...

Ein paar Links:
Steve Pavlinas polyphasisches Tagebuch: http://www.stevepavlina.com/blog/2005/10/polyphasic-sleep/
Eine ganze Webseite zum Thema: www.polyphasicsleep.com
Wikipedia weiß alles: http://en.wikipedia.org/wiki/Polyphasic_sleep
Ein Blog: http://www.ubersleep.com/
Ein deutscher Blogger, der recht bald aufgegeben hat: http://www.hofis-welt.de/


Barney ohne Björk


Schon wieder Barney, diesmal ein Interview in Monopol, das bei Spiegel.de online ist. (Ach wäre ich doch nur zur Premiere von Drawing Restraint 9 gegangen!).

Die Fragen in dem Interview sind sehr dumm, aber Barney antwortet mit Würde. Also wenn ich berühmt wäre, wäre ich u.a. auch dafür berühmt, den Raum zu verlassen, sobald in einer Interviewfrage das Wort "Spiritualität" vorkommt.


Dogville


Auf DVD gesehen, was bei diesem Film keinen großen Unterschied macht. Übrigens war das auch mein erster Lars von Trier-Film: von Breaking the Waves und dem mit Björk habe ich immer vermutet, dass sie mir zu pathetisch sein würden, auch gegen Dogville hatte ich deshalb Vorbehalte.

Dogville ist ja auch pathetisch. Die Handlung ist schnell nacherzählt: eine schöne junge Frau (Nicole Kidman, die ich nicht ausstehen kann, die aber alles aus der Rolle rausholt) kommt, auf der Flucht vor Gangstern, in ein abgelegenes Dorf namens Dogville. Die Bewohner sind zunächst reserviert, nehmen sie dann aber doch auf, dafür soll sie leichte Haushaltsarbeit verrichten. Das macht sie ganz wunderbar, sie bringt mit ihren mitfühlenden und freundlichen Art sogar die alten Griesgrame und die strengen Frauen auf ihre Seite. Dann aber wendet sich das Blatt. Die Bewohner von Dogville stellen fest, dass die Arbeitskraft der jungen Frau sehr nützlich ist und geben ihr mehr und schwierigere Arbeiten. Außerdem wird ihnen klar, dass es ja ein gewisses Risiko darstellt, sie zu beherbergen: deshalb sei es ja nur gerecht, dass sie für dieses Risiko auch etwas bekommen. Zusätzliche Bezahlung muss also nicht unbedingt sein. Sehr schnell wird aus dem Wellness-Ausflug der Stadtschönheit ein Alptraum: die Dörfler versklaven das Mädchen, benutzen es als gratis-Hure und ketten sie schließlich sogar an, als ein Fluchtversuch misslingt. Am Ende, als die dauernde Vergewaltigerei der Männer droht, den Dorffrieden zu stören, verkaufen sie das Mädchen an die Gangster, die sie suchten. Es stellt sich aber heraus, dass das eine schlechte Idee war: Sie hatte sich vor ihrem Vater, einem großen Mafiaboss, versteckt. Und der vergibt ihr, die nicht in sein Business einsteigen wollte, schnell, ist aber gar nicht erfreut über die Behandlung, die sie in Dogville erfahren hat. Er macht der Tochter klar, dass sie doch mit ihrer ganzen Vergeberei und dem Verständnis die ganze Zeit eigentlich bloß arrogant sei, denn sie messe die Menschen nicht an ihren eigenen moralischen Maßstäben. Da sieht die Tochter ein, dass die Menschen überall gleich böse sind und man daher genauso gut Mafiaboss werden kann. Sie läßt ihren Vater das Dorf niederbrennen und alle Einwohner erschießen.

Viel geschrieben wurde ja vor allem über die radikale Idee, das ganze Stück auf einer fast leeren Bühne spielen zu lassen, auf der nur die Umrisse der Gebäude und die Straßennamen eingezeichnet sind. Ich finde, daß das funktioniert hat. Es zeigt einem die Stadt so, wie ein Bewohner sie vielleicht sehen würde: jeder kennt den anderen, man ist schutzlos ausgeliefert – und an den Rändern der Stadt, über die man nie hinauskommt, endet die Welt. Musik gibt es auch nicht, das ganze ist zu einem großen Teil mit Handkameras gefilmt, also eine Art Dogma 2.0: manchmal ergibt das sehr intensive Momente, gerade wegen der Reduktion der filmischen Mittel. Diese Atmosphäre von Distanz- und Ausweglosigkeit wird aber stark durch den Erzähler aus dem Off relativiert, der gewissermaßen durch den Film führt und zu allem ironische Kommentare abgibt. Das raubt dem Film viel von seiner Kraft: gleichzeitig intensiv sein und ein kühl sezierendes Lehrstück vorführen wollen, das verträgt sich schlecht miteinander. (Ich glaube, Brecht hat dieses Problem auch nie wirklich gelöst).

Ich mag Lars von Trier immer noch nicht, und ich habe immer noch keine Lust, mir seine anderen Filme anzusehen. Trotzdem hat mich dieser Film beeindruckt. Die Holzhammer-Moral geht in Ordnung, sie gehört eben zu einem Lehrstück dazu; dass Lars von Trier nicht „realistisch“ irgendwelche Verhältnisse abbilden will, macht er ja nun deutlich. Und dass es am Ende die Gangster sind, die zu Racheengeln werden, ist eine sehr böse Pointe. Dass man es hat kommen sehen: klar. Die Sicht ist ja auch frei.


Procrastination


In Spiegel Online: ein Artikel übers Aufschieben.
Nicht, daß ich davon betroffen wäre.
Aber ist sicher ganz interessant, der Artikel.
Sollte ich mal lesen.
Aber heute ist gerade schlecht.
Morgen vielleicht. Ja, morgen ist viel besser.


Ajona


Letzte Woche wurde mir ein Weisheitszahn gezogen - war halb so schlimm, eigentlich gar nicht schlimm, aber das gab mir die Anlaß, einmal über das gerne unterschätzte Thema Zahnpflege nachzudenken. Deshalb will ich heute meine Zahnpasta preisen: es handelt sich um Ajona. Das Tubendesign hat sich seit ca. 1958 nicht mehr geändert und sieht daher heute so aus, als wäre es dem Hirn eines der trendigsten Mitte-Designer entsprungen: einheitlich dunkelrote Farbe, weiße Schrift, sonst gar nichts. Schön klein ist die Tube, denn es handelt sich um Konzentrat - nicht umsonst warnt der Tubenaufdruck: "Man verwende es sparsam! Eine linsengroße Menge genügt". Natürlich ist auch die Paste rein weiß; weit und breit keine Spur von bunten Streifen und ähnlichem modischem Tand. Was so gut ist, braucht natürlich auch keine Werbung, keine gequält lächelnden Zahnarztfrauen oder väterliche Dr. Bests; niemand weiss, wie Dr. Liebe aussieht, der Hersteller des vortrefflichen Zahncreme-Konzentrats. Ich nehme an, er steht täglich in seinem blütenweißen Arztkittel in der Fabrik am Band, an der die zierlichen Ajona-Tuben vorbeidefilieren, und hin und wieder nimmt er eine heraus und wiegt sie prüfend in der Hand. Nach getaner Arbeit entledigt er sich seines Kittels, zieht seine alte Strickjacke an und geht die paar Schritte herüber zu seinem Häuschen, wo seine Ehefrau Ajona, Namensgeberin der Zahncreme in diesem denkwürdigen Jahr 1953, mit dem Abendbrot auf ihn wartet.

PS: etwas enttäuschend ist, dass die Firma Dr. Liebe eine Webseite unterhält. Nicht klicken! Da sind viel zu viele Informationen.


Björk&Barney


Ein Artikel in der NY Times über Björk, Matthew Barney und deren neuen Film, Drawing Restraint 9 (via). Ach wäre ich doch zur Premiere in Berlin gegangen...


Dialog der Gästelisten


Adam Green in Berlin habe ich verpaßt, weil ich in London war, kann dafür aber das Konzert von „Dialog“ besprechen. Dialog life near Covent Garden sozusagen. Weil es sich um Freunde des wundervollen Colin handelte, ging ich hin. Der Club, in dem aufgetreten wurde, heißt “Bünker”. Eigentlich soll der Name wohl “Bunker” bedeuten, was natürlich schon ein irre deutsches Wort ist, aber mit einem Umlaut funktioniert es natürlich noch besser. Das Importieren des Worten von kindergarten hat man total versaut, man hätte den Plural nehmen sollen!

Angesichts derartiger Nativegermanspeakerverehrung war die Freude natürlich groß, Zuhörer aus der Bundeshauptstadt zu bekommen. Beim Türsteher löste die Vorstellung, einen Berliner kontrollieren zu dürfen, lähmende Verzückung aus. Der wundervolle Colin hatte aber wohl auch dafür gesorgt, dass my name on the list war.

Die Band scheint streng egalitär aufgebaut. Wie bei den Grünen darf jeder mal jedes Amt übernehmen: Leadsänger, zweite Gitarre, Tamburin, Hintergrundgesumme, wieder Leadsänger. Das ist leider Teil den Problems, denn somit fehlt eine klare Linie. Es ist ja die Zuordnung, die besonders erfolgreiche Bands so besonders erfolgreich macht: Man braucht einen fürs Charisma, einen für die Rebellion, einen Unterschuldshübschen und einen Schweigsamen. Wobei man notfalls auch nur drei Jungs nehmen kann, dann darf der Charismatische mal den Rebellischen mitmachen. „Dialog“ wirkt hingegen auf rührende Art ungecastet. Man ist sich nie sicher, wer eigentlich zur Band gehört und wer nicht und wer jetzt welche Rolle spielen soll.

In der Pause war die Zeit gekommen, backstage zu gehen. Wie so oft bei Auftritten von Bands, die bisher nur über einen bescheidenen Zuhörerkreis verfügen, bedeutet backstage allerdings eher neben als hinter der Bühne. Dort befanden sich, wie es überall auf der Welt backstage der Fall ist, Bier, Glasscherben, einige abartig hübsche Mädchen und eine Tüte mit Kabelhaltern. Der Hauptunterschied zur heimischen Veranstaltung ist die Zeit: In London beginnt alles so wahnwitzig früh. Wir waren um zwanzig Uhr im Konzert, um zweiundzwanzig Uhr konnte niemand mehr einen gerade Linie entlanglaufen und schon vor Mitternacht ging jeder nach Hause. Zu Zeiten, zu denen ein Mitglied einer Berliner Band also gerade überlegen würde, ob Zähne geputzt werden sollten und wenn ja, bei wem man am Vorabend die Zahnbürste liegengelassen hat, steht das Mitglied einer Londoner Band schon fertig gestylt beim Soundcheck.

Wir tranken ein leicht nach Kirschsaft schmeckendes Bier namens “Freedom”, denn das “Bünker” hat eine eigene Brauerei. Bier wird auf der Karte nicht bear, sondern Bier geschrieben, was nachvollziehbar ist. Die Toiletten sind hingegen etwas verwirrend beschriftet, da man offenbar davon ausging, die deutsche Anrede Herr sei mit dem weibliche Pronomen her verwandt. Aber wer aus Berlin kommt, ist transsexuelle Waschräume ja ohnehin gewöhnt.



ist in anglophonen Ländern schon vorbei, hierzulande kommt er noch: nämlich der nicht mehr wiederkehrende Moment, an dem das Datum lauten wird: 01:02:03 am 04.05.06.
Wichtig: versuchen, genau zu diesem Zeitpunkt ein Posting zu veröffentlichen. Für die Ewigkeit.

(wo hab ich das nur gelesen, auf wired.com? ich häufe gerade zu viel nutzloses Wissen an, wie's scheint..)


Fibonacci


Mathe. Aber schön. Guckst du.


Ocean's 13


Ein Sequel-sequel: Ocean's 13 wird gedreht. Allerdings ohne Catherine Zeta-Jones (schade) und Julia Roberts (eher vielleicht nicht ganz so schade). Dafür sind die ganzen Jungs und die Anzüge wieder mit dabei. Ab jetzt wird vorgefreut.


Zitat


"Schönheit kommt vielleicht von innen, aber sie schafft es nicht immer bis an die Oberfläche".

Selbst ausgedacht. Ha!


ich

neues


bilder


www.flickr.com

altes