Gestern mit Thomas die "Prinzessinnendramen" von Elfriede Jelinek in der Theaterkapelle, gleich bei uns um die Ecke, gesehen. Die Theaterkapelle ist eine ehemalige Friedhofskapelle (Der Friedhof ist gleich nebenan und offenbar noch in Betrieb) an der Boxhagener Straße, die, wie der Name schon sagt, in ein kleines Theater umgewandelt wurde. Die Aufführung fand aber nicht in der Kapelle statt, sondern in einem noch viel kleineren Kellerraum. So einen kleinen "Theatersaal" habe ich noch nie gesehen! Ein schmaler, langgestreckter Raum, der nur Platz für drei Stuhlreihen lässt, und ungefähr genauso viel bzw. wenig Platz für die Bühnenaction; man saß also mittendran, fast schon mittendrin (Ist das nicht übrigens immer wieder erstaunlich, wie Theater einen fremden Raum schafft, wie Leute einem entrückt scheinen, die Theater spielen, auch wenn sie zum Greifen nah sind? Das ist mir gestern besonders aufgefallen, weil eben alles so beengt war (und wegen des schönen Pausen-Bruchs: es gab keinen Pausengong o.ä., sondern einer der Schauspieler unterbrach das Erschießen Schneewittchens und meinte: "So, jetzt 15 Minuten Pause. Danach hieß es "Wir machen jetzt weiter", und Schneewittchen musste dran glauben)).

Oh ja, Action gab es genug, aber beginnen wir am Anfang.

Die Prinzessinnendramen sind fünf Kurzdramen von Elfriede Jelinek, ihres Zeichens österreichische Avantgardistin und eine der unbeliebtesten Nobelpreisträgerinnen aller Zeiten. Hier wurden allerdings nur vier aufgeführt, nämlich "Der Tod und das Mädchen", "Rosamunde", "Schneewittchen" und "die Wand". Gemeinsames Thema ist "Das Dilemma der Unvereinbarkeit von Intellektualität und Frausein" - oder auch, warum im Märchen immer die Frauen dran glauben müssen. Die ersten drei Stücke verarbeiten die bekannten Stoffe gleichen Namens, während "Die Wand" sich am gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer orientiert. Es hätte sicher zur Qualität dieser Rezension beigetragen, wenn ich die Stücke vorher gelesen hätte, aber so kann ich nur sagen: Hier leiden die Frauen am Patriarchat, aber sie schlagen, zumindest machmal, und mit begrenztem Erfolg, auch zurück. Das klingt nun alles verbohrt-feministisch, aber der Aufführung gelingt es doch, den Jelinek-Mehrwert an all diesen nicht-neuen Ideen zu retten.

Aber ganz profan gefragt: Wie hat man es geschafft, diese vier Stücke an einem Abend auf die Bühne zu bringen? Ganz einfach: sie werden miteinander kombiniert; es passiert nicht alles gleichzeitig, geht aber fließend ineinander über. Hinter diese Methode bin ich selbst erst nach ca. einer halben Stunde gekommen, obwohl doch stets drei Prinzessinnen (mit Papierkrone), ein Jäger und noch ein Mann namens Fulvio auf der Bühne stehen. Es gibt also viel Action, wie gesagt: Schneewittchen wird gemordet, einige andere Prinzessinnen auch, sie erstehen aber wieder auf, indem sie mit viel Getöse durch eine Klappe am Bühnenrand wieder ins Geschehen fallen; Kunstblut und Kunstsperma (?!) spritzen. Dabei geht aber die Essenz der Jelinek-Texte nicht (naja, selten) verloren, dieser durchgedrehte, eiskalte Kanzleistil: Die Regisseurin Christina Emig-Könning hat sich offenbar sehr genau überlegt, welche Texte sie wo und wie einsetzt.

Außerdem ist das hier keine Laienspieltruppe, oder jedenfalls agiert sie nicht so. Das ist alles am großen Bürgerschrecktheater à la Peymann geschult, das präzise Textbrüllen, das (ok, da manchmal ins klischeehafte abgleitende) Kinderabzählvers-Aufsagen... Man könnte sich das alles durchaus, mit sehr wenigen Abstrichen, auf einer großen Bühne vorstellen. Besonders beeindruckt hat mit Elisabeth Milarch als Schneewittchen, die außerdem noch eine verblüffende Ähnlichkeit mit la jeune Elfriede aufweist.

Ich würde ja jedem einen Besuch empfehlen, aber gestern war leider schon die letzte Aufführung. Aber das Programm geht ja weiter, ein Blick auf theaterkapelle.de lohnt sich.

PS: Eine negative, aber völlig inhaltslose Kritik aus ND (man fand es zu laut). Andere habe ich leider nicht gefunden.



Klinsmannschaftometer: 17.200. Tja, jetzt ist es ja auch gar keine Klinsmannschaft mehr, sondern eine Jogischaft, oder wie immer man das nennen will.


WriteRoom


Auf das Produkt hier habe ich schon lange gewartet, ohne es zu wissen: eine winzige Textverarbeitung, deren (beinahe) einziges und wichtigstes Feature darin besteht, sich in einen Vollbildmodus ohne die kleinste Ablenkung schalten zu lassen: Dann ist es, als würde man vor einer Schreibmaschine mit einem blütenweißen Blatt Papier sitzen. (Was jetzt noch fehlt, ist die Möglichkeit, per Knopfdruck die Internet-Verbindung zu kappen).

WriteRoom heißt das gute Stück, und man kann es hier für umme runterladen (für Mac, aber es gibt auch ein ganz ähnliches Programm für Windows, Link ist auf der Seite).



Ostelbischer Junkie (alte Nadel)



Der Plan von der Anschaffung eines Dunkels



Nach dem Weltbestseller "Regen" (verfilmt mit Kevin Costner und Cameron Diaz) jetzt die lang erwartete Fortsetzung: "Traufe".


Hotel


Hotel heißt der Film, nein, nicht Hostel. Aber auch Hotel will, wie Hostel, ein Horrorfilm sein, wenn auch ein sehr viel diskreterer. Es ist ein österreichischer Film von einer jungen und talentierten Regisseurin namens Jessica Hausner, der versucht, Autorenkino und Genrefilm – eben Horror/Thriller – zusammenzubringen. Der Film hat sehr gute und sehr schlechte Kritiken bekommen, und das ist ja meist ein gutes Zeichen, d.h. es bürgt ja oft dafür, dass der Film wenn schon nicht gut, dann wenigstens interessant ist. Dieser hier allerdings ist tatsächlich gleichzeitig sehr gut und sehr schlecht.

Die Story ist wenig kompliziert und geht in etwa so: Eine junge Frau tritt eine Anstellung als Rezeptionistin an in einem Hotel, das mitten in einem finsteren Wald liegt. Ihre Vorgängerin ist auf mysteriöse Weise verschwunden, d.h. die anderen Hotelangestellten wollen nicht so recht mit der Sprache heraus, was ihr wohl widerfahren sein mag. Überhaupt sind sie nicht besonders kooperativ, diese Kollegen... In der Nähe befindet sich eine Höhle, und die Sage geht, dass eine Hexe dorthin in grauer Vorzeit junge Mädchen verschleppt hat. Es ist heute ein sog. beliebtes Ausflugsziel. Dann aber geschehen der jungen Frau (ein blöder Ausdruck, aber hier scheint er zu passen) merkwürde Dinge: Türen schließen sich wie von Geisterhand. Ihre Brille wird zerbrochen, und sie stellt fest, dass ihr die Brille der toten Vorgängerin perfekt passt. Im Wald, bei der Höhle, hat sie (vielleicht) eine erschreckende Begegnung. Dann geschieht (vielleicht) etwas, und der Film ist nach nicht einmal 80 Minuten vorüber.

Die Regisseurin versteht wahrlich ihr Handwerk. Auf der einen Seite ist das Hotel so perfekt nachgebildet, dass man praktisch die Luft in diesem leicht abgewetzten, gutbürgerlichen obere-Mittelklasse-Etablissement zu riechen meint; da stimmt einfach alles vom kleinsten Ausstattungsdetail bis zur Ausdrucksweise, angefangen von der spöttelnden Chefin bis zu den routiniert boshaften Angestellten. Und das ist noch nicht alles: sie schafft es, darin eine Farbsymbolik aus Rot und Grün zu integrieren und eine Bildsprache aus Licht und Schatten, aus Vertikalität, wo sich die hohen Bäume des Waldes in den strengen Falten der Hotelvorhänge wiederfinden, ohne daß dabei der fast dokumentarische Eindruck verlorenginge. Das ist schon sehenswert.

Nur fehlt dem Film etwas für Horrorfilme ganz Entscheidendes, nämlich der Horror. Schockeffekte und spritzendes Blut gibt es hier nicht, aber das ist ja auch gar nicht unbedingt nötig. Leider gibt es aber auch keine subtile Dramatik, keinen Spannungsaufbau, keine Atmosphäre der Bedrohung. Was umso erstaunlicher ist, da die realistischen Bilder einen durchaus in die Handlung hineinziehen. Viele Kritiken haben das moniert, und ich habe gedacht, die wollen eben ein „Hostel“ und verstehen nicht das Subtile. Aber es stimmt wirklich: die „Horror“-Elemente fügen sich nicht zusammen; am Ende hat man das Gefühl, der Film weiß gar nicht, wo er mit all seiner Klasse eigentlich hin will. Vielleicht liegt das daran, dass es postmoderne Horrorfilme nicht geben kann? Namenloses Grauen gibt es nämlich nicht; die Bedrohung kommt immer irgendwoher, zumindest im Film. Wo es nichts aufzuklären gibt, gibt es auch keine Spannung; wenn alles bedrohlich ist, ist nichts bedrohlich.

Deshalb mein Rat: Sich den Namen Jessica Hausner merken und auf ihren nächsten Film warten.

Film-Website



Klinsmannschaftometer 13.7.: 47.100 (!)
Ich glaub, ich mach mal ne Excel-Grafik.



"einer, der sich aus normalen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat" (Spiegel Online)



Dave Eggers' AHWOSG (so das offizielle Akronym, das die Kopfzeile jeder Buchseite ziert) habe ich Schatz zum Geburtstag geschenkt und es schließlich jetzt auch selbst gelesen. Ein klassisches Bumerang-Geschenk also? Naja, vielleicht ein bisschen; ich gebe zu, dass ich das Buch lange im Hinterkopf hatte und gerne mal lesen wollte, aber ich war mir auch sicher, dass es genau das richtige für Schatz ist.* Was es dann auch war.

Der Titel sagt schon sehr viel über das Buch aus: es schwankt zwischen Größenwahn und Selbstkasteiung wg. allzu großem Größenwahn. Es ist eine "Autobiographie", die zu dem Zeitpunkt einsetzt, als beide Eltern von Dave Eggers im Abstand von wenigen Wochen an Krebs sterben, als dieser so ca. 19 Jahre alt ist. Das ist sehr traurig, natürlich; und dabei ist das Leiden vor allem der Mutter völlig schonungslos beschrieben, das langsame dahinsiechen, zuhause, das Warten auf das Ende. Nach dem Tod der Eltern zieht DE mit seinem neunjährigen Bruder Toph nach Berkeley, wo sie eine Art Geschwister-WG haben. Das ist - teilweise - sehr lustig: sie sind jung und frei und schön und können unglaublich gut Frisbee spielen! Und teilweise auch nicht so lustig, denn so ein merkwürdiges Paar findet z.B. nicht so einfach eine Wohnung.

Und so geht es weiter im meistens aufregenden Leben der beiden (DE hat noch eine ca. gleichaltrige Schwester und einen älteren Bruder, aber die spielen eher Nebenrollen). In der zweiten Hälfte flaut das Buch allerdings etwas ab, was wohl einfach daran liegt, dass nicht jedem andauernd Schicksalsschläge und Wechselbäder der Gefühle widerfahren könnnen, obwohl das rein erzähltechnisch natürlich nicht schlecht wäre.

Das ist überhaupt das Schöne an dem Buch, dass das Tolle und das Furchtbare nicht sauber getrennt sind, damit man sich auf ein Gefühl anständig einstellen kann, sondern dass alles durcheinander geht. Eben wie im richtigen Leben? Ja, kann sein, weiß nicht. DE hat zumindest keine Angst, erzählerisch da hin zu gehen, wo's weh tut. Was immer auch bedeutet, dass all das ja wirklichen Personen passiert ist, die vielleicht ihr Leben nicht so ausgebreitet sehen wollen - das unangenehme Gefühl des Ausschlachtens der eigenen Lebensgeschichte ist im Buch immer präsent und wird sozusagen gleich mit ausgeschlachtet.

DE weiß genau, dass er ein grooßes Ego hat, und dass die Existenz dieses Buchs viel damit zu tun hat. Ein großes Mitteilungsbedürfnis, das vielleicht nicht ganz gesund ist, aber hey, trotzdem ist das Buch ja wohl toll, oder? Na also. Es gibt eine Szene, in der die ganze Malaise deutlich wird: DE will für seine Zeitschrift "Might Magazine" den Tod eines Semi-Prominenten fälschen und - eben mit der Todesnachricht - groß herauskommen, exklusiv versteht sich, denn der Semi-Promi ist ja gar nicht tot. Sie finden einen semi-abgehalfterten Serienstar, der sich darauf einlässt, und einerseits verachtet DE ihn - wie verzweifelt muss man sein, um bei so ewas mitzumachen? - andererseits weiß er ganz genau: Wie verzweifelt muss man sein, um auf so etwas überhaupt zu kommen?

DE kann toll und lebendig erzählen, und er hat eine Menge erlebt. Es wirkt unheimlich nah und echt und wahr - incredibly loud and extremely close, sozusagen, und tut dies gerade, weil DE ja eben schon genau konstruiert und weiß, was er tut. Und weiß, daß er weiß, was er tut, und das sogar in einem Anhang genau erklärt. Ist das schon die Postmoderne? Mist, ich wollte mich doch noch frisch machen.

--

*: Meine Eltern haben einander schon mal echte Bumerang-Geschenke gemacht: ich erinnere mich an ein Weihnachten, da mein Vater eine Biographie der von Weizsäckers verschenkte, während meine Mutter ihn vergebens mit "Salz auf unserer Haut" zu beglücken suchte.

Anhang: Heute arbeitet DE als Herausgeber von McSweeney's, einer etwas anderen Literaturzeitschrift. Hier ist noch ein Interview mit ihm.






"Schweissperlen rinnen über die detailverliebten Gesichter der Spieler, die dynamischen und authentischen Bewegungsabläufe lassen die Zunge schnalzen."

Kritik einer Tischtennis-Simulation im WOM-Magazin


Klinsmannschaftometer: 25.100.



Klinsmannschaftometer: 24.500.


Phantom Ghost - Three


Die Herren von Lowtzow und Mynther tragen weiße Anzüge. Es ist Nacht, und sie haben sich im Wald verirrt. Nur der fahle Schein von Taschenlampen erhellt ihre ebenso fahlen Gesichter sowie die Umgebung: romantischer, schlecht aufgeräumter deutscher Wald, gespickt mit stolpergefährlichen Bodenästen, Elfen und geheimnisvollen Uhus.

In dieser angespannten Situation hebt von Lowtzow an zu singen: Go and catch a falling star, hold in your hand a tannis root... Glücklicherweise haben die befreundeten Musiker daran gedacht, eine Mindestausstattung an Musikinstrumenten in ledernen Schrankkoffern mit sich zu führen. Man gelangt in eine Lichtung, die erwähnten Sterne scheinen, und stimmt ein Album an.

Im zweiten Album war es noch auf Keyboardteppichen, volle Beats voraus, nach Damaskus gegangen, zu Lawrence von Arabien, und wieder zurück, zu Yves Saint Laurent, aber immer im alten Europa geblieben, bei den Dandies. Diesmal geht es zurük in die Zeit, ins ganz alte und ganz ganz alte Europa der Romantik und der Luftschlösser, bis man schließlich bei Minnesang und Bänkellied angekommen scheint.

Also Pop ist das nur zu einem kleinen Teil. Ist es gut? Es ist ruhig, aber nicht nachdenklich. Es ist seltsame Musik, jedenfalls meistens. Es wirkt spielerisch, Seitenprojektartig; früher, als "professionnell" noch kein Gütezeichen war, sondern nach unschöner Verbissenheit klang, hätte man vermutlich "dilettantisch" gesagt und es als Kompliment gemeint.


Phantom Ghost - Website


Klinsmannschft III


Klinsmannschaft-Index: 19.700. Komisch, weniger als vorher?


Flock-en


Dies ist das erste Posting, das ich mit dem neuen Browser Flock schreibe. Er hat einen Blog-Editor eingebaut, der schön übersichtlich ist und in den man vor allem ganz einfach Bilder und Links ziehen kann. Flock setzt auf Firefox auf, hat aber dazu noch einige "Web 2.0"-Funktionen integriert, die das Bilder-Hochladen zu flickr, das bookmarken mit del.icio.us und eben auch das Bloggen vereinfachen sollen. Alles habe ich noch nicht ausprobiert, aber bisher bin ich schwer beeindruckt.

So sieht das ganze aus:

Die Beta-Release gibt es hier.

Blogged with Flock


Klinsmannschaft II


... aber dass die Klinsmannschaft-Wortkarriere so schnell gehen würde?! Das übertrifft meine kühnsten Erwartungen.

Stand 1.7.06: 18.100 hits.

wird fortgesetzt.


Asobi Seksu - Citrus



Asobi Seksu ist japanisch und bedeutet "Sexspielzeug" oder "Sexspiel", die Quellen sind sich uneinig (hallo übrigens, liebe Google-verirrte!), und außerdem ist es eine Band aus New York, die aus großen MBV-Gitarrenwänden, einer kleinen japanischen Sängerin und schönen Melodien besteht. Vor längerer Zeit habe ich mal ein paar Promotion-Songs des ersten Albums heruntergeladen, war sehr angetan und hab die Sache dann wieder vergessen. Jetzt haben sie ein neues Album herausgebracht namens Citrus, dessen Cover zu schön ist, es hier nicht zu zeigen. Es gibt wieder ein paar Gratis-mp3s auf deren Website, die sehr vielversprechend klingen. Empfehlung!


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